Theresa Rothe – Die Flatboys & Come Closer

Ich mochte den Aspekt, dass man selber dann irgendwie auch Teil davon wird.

Theresa Rothe lebt und arbeitet in Leipzig und ist seit 2024 Mitgründerin des Kunstraums Klub Portitz sowie Lehrbeauftragte an der AdBK Nürnberg. Traum­bilder und Fantasien bilden häufig die Ausgangs­lage ihrer Werke, die in einer Auseinander­setzung mit dem Unbewussten münden und sich durch eine starke Ambivalenz auszeichnen. Der künstlerische Prozess ist für Theresa Rothe eine Möglichkeit, sich mit ihrer inneren Welt auseinanderzusetzen und Dingen, für die sie keine Worte findet, eine Gestalt zu geben, um sich letztlich selbst näherzukommen.

https://theresarothe.com

Theresa Rothe steht vor ihrer Skulptur Come Closer.
Ein Ohr der Come Closer-Skulptur

Ich bin Theresa Rothe, ich bin Bildhauerin und lebe in Leipzig. Ich habe blonde Haare. Momentan sitze ich hier in meinem kalten Atelier, weil wir gerade umgezogen sind und ich gar nicht weiß, wie die Heizung anzuschließen ist. Ich habe mein Studium in Dresden begonnen und da auch beendet. Und das war 2021 in der Fachklasse für Bildhauerei bei Wilhelm Mundt. Ganz generell geht es mir in meinen Arbeiten darum, dass ich mich mit Gefühlen und Träumen und verschiedenen damit zusammenhängenden Ambivalenzen auseinandersetze. Und es geht einfach ganz oft um Gefühle und Dinge, für die ich so einfach keine Worte finde, aber bei mir Bilder auftauchen. Welche oft in Wesensgestalt existieren, sodass für mich diese Art der Kreaturen und Wesen eine Art Stellvertreter für Gefühle, Gedanken und Emotionen sind.
Und in meinen Arbeiten benutze ich sehr oft verschiedene Materialien, Sachen aus Fellstoffen oder Haaren oder Silikon oder Latex, welche ich miteinander kombiniere und in Verbindung setze, sodass durch diese verschiedenen Materialien noch immer wieder eine Spannung entstehen darf und zwischen weich oder glitschig oder fest und organisch, dadurch fluide Geschichten erzählt werden. In meiner Arbeit geht es normalerweise eigentlich nur um das Berühren im Kopf. Also viele meiner Arbeiten sind eigentlich nicht zum Berühren da, liegt aber auch leider eher daran, dass halt einfach manchmal in Ausstellungskontexten auch Arbeiten kaputt gemacht worden oder bisschen zu grob angefasst worden, sodass ich mich jetzt sehr freue, Arbeiten gestalten zu dürfen, die man auch wirklich berühren darf. Weil ich glaube auch, ich bin ein sehr haptischer Mensch und berühre auch gerne Dinge und habe auch großes Materialinteresse, sodass ich auch immer wieder diesen Wunsch nachvollziehen kann, auf die Berührung oder auf die Arbeit anders eingehen zu können.
Und ich finde ganz generell, der Aspekt der Berührung oder der Arbeit auch anders näher zu kommen, macht es nahbarer und gibt halt auch den Menschen nochmal einen anderen Zugang, den Besucherinnen von einer Ausstellung, andere Möglichkeiten auch Arbeiten wahrnehmen zu dürfen, erleben zu dürfen und vielleicht auch einfach, dass da nochmal ganz andere Gefühle und Gedanken entstehen können, indem man nicht nur weiß, um was es geht, sondern vielleicht auch nochmal rein fühlen kann. In der Ausstellung zu sehen sind einerseits zwei Arbeiten, das sind die Flatboys, das sind jeweils zwei Kreaturen, die ich auch wirklich zu einer Ausstellung, zu einem Anlass gemacht habe, der auch schon mal um Berührung ging und wo es mir auch wichtig war, wirklich auch, dass Menschen auch Teil der Arbeiten werden können, und mit der Arbeit verschmelzen. Es sind zwei Wesen, die auf dem Boden liegen, auf die man sich draufsetzen kann, die kleinen Hände und kleine Gesichter haben und kleine dicke Bäuche aus Latex und Silikon. Und ich mochte den Aspekt, dass man irgendwo, dass – sie sind ja eh schon auf dem Boden liegend und man selber wird dann irgendwie auch Teil davon. Und beide sind so, also der Besucher und die Person, und die die Arbeit berührt und zieht oder benutzen kann, verschmelzen auf einem Miteinander. Und die zweite Arbeit, die ich zeige, da geht es mir mehr darum, dass man auch mit der Arbeit, sie ist ungefähr durchschnittlich, 1,80 groß und hat zwei Arme, welche man auch umgreifen kann. Man kann auch die Figur komplett als solches auch umarmen. Umarmt man sie selber, wird man umarmt, ist man Teil davon. Und umkleidet ist die Skulptur wieder von Fellstoffen und einem kleinen Silikonbauch und einem Latexgesicht.